Februarmond:

Es ist wieder soweit. Die Mondin steht rund und hell am Abendlichen Winterhimmel. Die Zeit nähert sich Ostara. Sie ruft nach mir. Diesmal, zu Februar, steht Frau Luna tief und voll am Sternenklaren Nordhimmel. Es ist die Zeit, in der ich jedes Jahr mein Quellwasser hole, jetzt ist es kalt, frisch und voller Mond Energien. Jedes Jahr beim Februar Vollmond machen wir uns auf den Weg in den Wald. Am frühen Abend in der Dunkelheit machen sich mein Mann und ich auf den Weg zur Quelle. Eingemummelt in Schal, Mütze und Handschuhe. Dennoch kriecht die eisige Kälte überall hinein. Es wird Zeit, dass der Winter endet, denke ich. Imbolc liegt kurz hinter uns, und alles steht in Erwartung auf das Frühjahr. Ich kann mich aber eines Staunens dennoch nicht entziehen, als wir auf der geschlossenen Schneedecke entlang wandern. Das Mondlicht taucht alles in ein weißliches Licht und der Schnee glitzert wie tausend Diamanten. Knirschend gibt er unter unseren Füßen nach. Es ist nichts zu hören außer unseren Schritten im Schnee. Die Straßen sind glatt und es hat wieder geschneit. Alles scheint wie im tiefen Schlaf zu liegen. Der Waldeingang liegt wie ein Tor vor uns und wir folgen dem verschneiten Weg. Leise sprechen wir, denn alles wirk so erhaben und ruhig. Oben auf dem Berg angelangt gönnen wir uns eine kleine Pause, wir brauchen kein Licht, Frau Luna weißt uns wohlwollend den weiteren Weg zur Quelle. Kraftvolle Stille! Dies ist für uns die magische Grenze, automatisch hören wir auf, zu reden.
Als ich an meinem Kraftort dem Hügelgrab vorbeikomme, werfe ich diesem eine Kusshand zu und verbeuge mich vor den Kräften dieses Ortes. Es wird ein wenig dunkler, als wir zur Quelle hinabsteigen und ich überlege, ob das Mondlicht wirklich diesmal genau auf den Quelltopf scheint. Denn nicht immer ist es so. In den Sommermonaten steht die Mondin ungünstig und bescheint die Quelle nicht. Nur wenige Male in der Dunklen Zeit ist es günstig. Der Februar Vollmond hängt genau so am Himmel, dass das Mondlicht sich im Quelltopf spiegelt. Ideal für Vollmondwasser!
Oben auf dem Quell-Topf hat sich eine Eisschicht gebildet aber darunter sprudelt es munter weiter. Ein kleiner zugefrorener See hat sich gebildet. Er scheint im Mondlicht zu leuchten. Weiter untern gibt die Eisschicht dann das eiskalte Nass frei, das als kleines Rinnsal aus den Steinen fließt und zum Bächlein anschwillt. Weiß und undeutlich spiegelt sich Frau Luna in der Eisfläche des Quells. Mein Mann bleibt in einiger Entfernung stehen, wohl wissend, dies ist nun meine Aufgabe. Er könnte Frau Hel begegnen, denn es ist immer noch ihre Zeit. Hel mag keine Männer, das hat sie ihm schon einmal drastisch gezeigt, als er in der dunklen Zeit mit mir an meinem Kraftort, dem Hügelgrab war. Ständig wurde er mit Stöcken, Erdlöchern und allerlei anderen Dingen blockiert. Zu Haus hatte er tatsächlich ein paar Schrammen und Blaue Flecke. Ich dagegen ,die den gleichen Weg voraus ging, war aber frei von jeglichen Verspottungen der Hel. Seither ist er nicht sehr gerne in der dunklen Zeit im Wald unterwegs. Ich weiß es sehr zu schätzen, wenn er sich in den Wintermonaten dann einmal aufmacht mitzugehen um das Wasser zu holen. Ich ziehe mir meine Handschuhe aus, krame meine Rituellen Dinge aus dem Rucksack und gehe dann einmal um die kleine Eisfläche herum in Richtung Osten. Dort bleibe ich stehen, verweile und horche. Absolute Stille. Selbst der Quell plätschert nur ganz leise vor sich hin. Ich rufe die Energien des Ostens und die dazugehörigen Elementarwesenheiten. Stecke ein Räucherstäbchen in die Erde, was nicht sehr einfach ist, da der Frost den Boden noch fest in seiner Hand hat. Wende mich Richtung Osten und rufe die Elemente an:
Kräfte des Ostens und der Winde!
Wächter des Ostens!
Wesen der Lüfte!
Euch lade ich ein,
hierher zukommen an diesen kraftvollen Ort
in die heilige Mitte meines Kreises!
Kräfte des Südens und des Feuers!
Wächter des Südens!
Feuerwesen!
Euch lade ich ein,
hierher zukommen an diesen kraftvollen Ort
in die heilige Mitte meines Kreises
Kräfte des Westens und des Wassers!
Wächter des Westens!
Wasserwesen!
Euch lade ich ein,
hierher zukommen an diesen kraftvollen Ort
in die heilige Mitte meines Kreises
Kräfte des Nordens und der Erde!
Wächter des Nordens!
Erdwesen!
Euch lade ich ein,
hierher zukommen an diesen kraftvollen Ort
in die heilige Mitte meines Kreises
Große Mutter!
Herrin aller Dinge!
Dich rufe ich an
Dich lade ich ein!
Jungfrau, Mutter und Alte!
Komm an diesen kraftvollen Ort
in die heilige Mitte meines Kreises
Als mein Kreis geschlossen ist rufe ich noch einmal die Nymphe dieser Quelle speziell an.

„Herrin der Quelle Wächterin der Uralten Wasser
Hüterin des Uralten Wissens
Komm zu mir und lass Dich ehren!“

Der Duft der Räucherstäbchen umgibt alles und wirbelt genauso im Kreise, wie meine Energien den Schutzkreis aufgebaut haben. Deutlich spüre ich nun die Anwesenheit der verschiedensten Elementar Wesen! Da ! Der Zwerg der ein wenig stinkig aus der Erde schaut, weil ich ihn in dieser Frostigen Zeit rufe und er reichlich Mühe hatte, den festen Boden zu durchstoßen. Und da die Elfe die zitternd auf einem Stein nahe dem Räucherstäbchen hockt um sich zu wärmen. Unter ihr, ganz versteckt, hockt ein Salamander, der mit seinen Knopfaugen mich misstrauisch beäugt. Die Fee dort im heiligen Ilex Baum, die Flügel unruhig flattern und sich die Hände reibend. Ich glaube, sie hat eine Mütze auf, oder ist das eine Kappe aus Schnee?! Etwas weißes kommt über den Hang, langsam kriechend, ist es die Alte? Und da , auch meine Nymphe, unter dem Eis deutlich zu erkennen, winkt mir zu! Ein wenig unruhig wird das Wasser in dem kleinen Teich nun.
Ich bitte Sie um Mondwasser und gebe Blüten und einen kleinen Mondstein ins Kalte Nass. Sie fängt ihn auf und lässt ihn nochmals kurz an der Oberfläche dahin gleiten um ihn dann mit in ihr Reich zu nehmen. Dies ist mein Zeichen, das meine Gaben angenommen sind. Ich fülle das Wasser in meine mitgebrachte Flasche und bedanke mich bei Ihr. Dann drehe ich mich zu den anderen Wesen, die erwartungsvoll dastehen. Jeder bekommt einen Dank in Form eines Apfels, Keksen und Nüssen, die ich dort lasse. Ich bitte nun noch um den Segen der Göttin für meine Familie und mich. Dann fange ich an, den Kreis aufzuheben und mich bei den Elmenten zu bedanken. Während ich den Kreis aufhebe spüre ich, wie ein kalter Wind über mich hinweg weht. Frau Hel kommt nun! "Deine Zeit auf dem Zaun ist um," scheint sie mir sagen. Ich verabschiede mich und wir gehen, ohne uns umzusehen, wieder den Berg hinauf. Besser ist es so. Mit Hel ist nicht zu Spaßen. Dennoch mag ich sie. Als wir uns oben umdrehen, scheint es über der Quelle zu schneien, denn dort liegt ein weißer Nebelartiger Schleier. Oder ist es etwa die Hel, die noch einmal sehen will, was ihre Tochter dort getrieben hat?! Ich winke herunter zu ihr und mein Mann grinst mir zu. „Bleib mir vom Leib „flüstert er zum Nebel dort an der Quelle. Arm in Arm wandern wir weiter und es fängt leise an, tatsächlich zu Schneien. Kein Nebel und keine Hel halten uns nun auf. Zu Haus wartet warmer Tee und das Abendessen auf uns.
Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster blicke, ist der Schnee nicht mehr da. Es regnet und es ist grau und matschig. Deprimierend! Aber als ich hinunter auf meinen Vorgarten sehe , entdecke ich eine kleine Schar Krokusse aus der Erde schauen. Bunt und Lustig! Und da weiß ich, Frau Hel hat sich für dieses Jahr von uns verabschiedet.