Geister Harfe:

Mit Trommeln hab ich`s probiert, mit Rasseln und Tamburinen. Mit der Trommel kann ich, wenn ich sie selbst schlage, weder entspannen, noch Kontakt zu den Wesen um mich herum aufbauen, leider. Wenn jemand anderer sie schlägt, kann das das Ursprünglichste und Kultische Erlebnis sein, was man je hatte. Ich entsinne mich an eine Beltain Feier mit Trommeln, mitten im Wald, die durch diesen Klang bereichert, wirklich Urerinnerungen in mir hervorrief.
Nun, ich mag meine Rasseln und ich komme gut mit ihnen klar, aber still im Wald zu sitzen und zu rasseln, nein, auch das gelingt mir nicht. Eine Rassel bedeutet für mich Bewegung und tanz. Aber das ist für mich eher etwas in meiner Goddess Höhle, nicht an meinen Plätzen im Wald. Die Rasseln haben in meiner Goddess Höhle schon wertvolle Dienste geleistet. Eine Umgebung kann man sehr gut Energetisch mit dem Klang einer Rassel reinigen oder auch Geister rufen.Ahnengeister mögen diesen Klang und können Dich an dem Klang Deiner Rassel erkennen, denn kein Mensch auf der Erde rasselt, wie ein anderer, jeder hat seinen eigenen Rhythmus und Schwung.
Mein Tamburin benutze ich eher für Gruppen Rituale und Jahresfeste, es ist Trommel und Rassel zu gleich, ich benutze das Tamburin gerne bei Spiralritualen, für mich allein nicht. Unterstützend im Gesang hat es auch schon wertvolle Dienste geleistet.
Viele meiner Hexenschwestern besitzen ein Instrument, welches sie für Reisen in die Anderswelt nutzen und mit dem sie sich sehr verbunden fühlen. Das konnte ich Jahrelang von mir nicht behaupten, weder von Rassel, Trommel, noch Tamburin.
So suchte ich speziell in den letzten Jahren etwas, was meiner innersten Seele entspricht. Bei einem Aufenthalt im Wald bat ich um Kontakt zu meinen Ahnenwesen, mit genau dieser Frage.
Dabei kam mir urplötzlich der Gedanke an eine Keltischen Harfe, genauer formuliert, einer Barden Harfe, die man wunderbar transportieren kann, ist sie doch relativ klein. Ich musste unweigerlich grinsen, habe ich doch, wenn ich an solche Art von Instrument denke, sofort das gezeichnete Bild des Barden aus Asterix im Kopf, geknebelt und gebunden, aufgehängt an einem Baum. So wollte ich eigentlich nicht enden… Dennoch faszinierte mich dieser Gedanke, der zum großen Teil von meinen Schutzwesen her rührte und ich versprach ihnen und mir, mich mal danach umzusehen.

Ganze drei Jahre wartete ich auf die Richtige aber wie wussten schon die Kelten; alle Guten Dinge sind Drei! Hätte ich nicht auf meinen Geldbeutel achten müssen, wäre es sicherlich leichter gewesen. So kam aber immer wieder etwas dazwischen, mal das liebe Geld (eigentlich immer), mal hatte ich eine gute Gelegenheit bei einem bekannten Auktionshaus im Internet einfach verpasst und so weiter. Ich hatte auch nie das Gefühl, das es genau jetzt ein guter Zeitpunkt wäre.
Aber siehe da, eines Tages bekam ich über das Internet Kontakt mit einem Händler und der machte mir ein richtig gutes Angebot, das ich nicht abschlagen konnte und so kam endlich die Barden Harfe in meinen Besitz. Es war eine Harfe mit leichten Beschädigungen, genau das Richtige für mich, schließlich bin ich auch nicht perfekt und mag auch nichts perfektes. Und was noch wichtig war; erschwinglich, also genau der Richtige Zeitpunkt! Endlich!

Gut, ich muss zugeben, das ich bis zum heutigen Tage keinen Schimmer habe, wie man eigentlich darauf spielt oder zupft man??! Es stört mich aber auch nicht weiter, soll es ja nicht für andere sein, sondern allein dem Kontakt mit den Waldwesen und der Anderswelt dienlich sein. Damals hoffte ich inständig, dass es wirklich das Instrument war, welches zu mir passt.
Es dauerte weitere drei Monate, bis ich die Harfe dann wirklich mit an meinem Platz im Wald nahm. Vorher hatte ich schon ein wenig ausprobiert, es aber nicht gewagt, sie bewusst rituell einzusetzen.

So stand ich nun mit meinen Sachen an meinem Lieblings Platz im Wald und reif die Geister an.
Ich rufe und grüße Euch ihr Wesen der Lüfte, Geister des Ostens!
Euch bitte ich,
nehmt meine Klänge an,
damit ich Euch ehren kann!

Ich rufe und grüße Euch ihr Wesen des Feuers, Geister des Südens!
Euch bitte ich,
nehmt meine Klänge an,
damit ich Euch ehren kann!

Ich streckte das Instrument fordernd jeder Himmelrichtung hoch entgegen und zog sie dann durch den Rauch der Räucherung, solange, bis alle Richtungen angerufen waren und ich den Kreis schloss.

Ich rufe und grüße Euch ihr Wesen des Wassers, Geister des Westens!
Euch bitte ich,
nehmt meine Klänge an,
damit ich Euch ehren kann!

Ich rufe und grüße Euch ihr Wesen der Erde, Geister des Nordens!
Euch bitte ich,
nehmt meine Klänge an,
damit ich Euch ehren kann!

Nun saß ich da, angelehnt an einem Baum, räucherte sprach mit ihr, aber warum traute ich mich nicht zu spielen? Kein Mensch war da. Ich musste mich regelrecht überwinden anzufangen. Ich hatte das Gefühl, sämtliche Wesenheiten warteten gespannt, wie das Publikum, vor einer großen Premiere. Ich atmete tief in mich hinein, ein und aus, nahm meine Harfe eng zu mir und fing ganz leise an, die Seiten zu berühren, leicht zu zupfen. Teif ein und aus , immer wieder in den Bauch, ich atmete den Rauch des Beifusses ein und sah bald die Seiten ein wenig verschwommen, schloss die Augen und verlies mich auf meine Innere Stimme….
Nach nicht einmal fünf Minuten wurde mein Spiel unverkrampfter ich spürte, wie ich langsam los lies, wie der Melodische Klang nicht mehr wichtig war, sondern nur noch die Töne und die Schwingungen in den Vordergrund traten, eintauchte in die Umgebung und sich harmonisch mit den Geräuschen des Waldes verband und vermischte. Alles war eins, der Wald, der Baum an den ich mich lehnte, die Töne der Harfe und ich…es verschmolz einfach alles zu einer großen Einheit. Ich öffnete wieder meine Augen, ohne mit dem Spielen aufzuhören.
Dann, mit einem Male kamen sie aus allen Richtungen. Sie umringten mich und ich spürte und sah deutlich ihre Anwesenheit. Aber es waren nicht nur Elementare Wesen, sondern auch Andersweltliche, Ahnen und Geister. Alles drehte dich um mich herum und verschmolz miteinander. Ich war berührt von der Macht dieser Harfe.
Was diese Harfe hervorrief in Verbindung mit mir, mit ihrem Klang und meiner Magie, es war mir, als hätte es eine Zeit gegeben, in dem gerade diese Verbindung eine Selbstverständlichkeit war.
Es war mir, als hätte ich alle alten Geister dieses Ortes zu mir gerufen, oder waren sie schon da und ich sah sie nur besser??? Nahm sie wahr, nahm die große Ordnung war, die alles umschloss. Ich atmetet wieder tief ein und aus und so schnell wie sie gekommen waren, lösten sie sich auch wieder auf. Das große Ganze löste sich ganz langsam wieder auf in Wald, Baum, Töne und mich.

Ich hatte das Gefühl, als ich ganz vorsichtig die Töne verklingen lies und langsam in die hiesige Welt zurückkehrte, das die Wesen es bedauerten.
Erst als ich wieder ganz bei mir war, spürte ich innerlich eine große Freude und auch stolz, wie etwas neu entdeckt zu haben, was entdeckt werden wollte. Es war als hätte ich etwas Verlorenes wieder gefunden, ja so könnte man das Gefühl beschreiben. Und so löste ich den Kreis um mich und bedankte mich herzlich bei den Elemente dafür, meine Harfe und somit diese neue Fähigkeit bekommen zu haben.
Zu Hause konnte ich dieses wundervolle Instrument erst einmal nicht in meinem Ritual Raum lassen, wo es ja eigentlich hingehörte. Es bekam einen besonderen Platz in unserem Wohnzimmer, was ich aber schon kurz danach bereute.
Ein Fernseh-Team, das ein Portrait über mich erstellte, sah die Harfe in meinem Wohnzimmer stehen und fragte danach.
Ich erzählte ihnen, das ich sie mit in den Wald nehme für Kultische zwecke und bereute es gleich danach, dies so bereitwillig erzählt zu haben. Sie wollten darauf hin unbedingt, dass ich die Harfe für die TV Aufnahmen mitnahm. Ich willigte ein, aber hatte kein gutes Gefühl.
Der nächste Drehtag verging mit anderen Dingen und hektisch, wie TV Teams nun mal sind, fuhren wir zu den Außenaufnahmen in den Wald. Ohne meine Harfe, die hatte das Team total vergessen!!! Ich hütete mich, die Harfe nochmals zu erwähnen. Aber niemand fragte mehr danach. Und ich dankte innerlich den Göttern und entschuldigte mich später bei der Harfe und versprach ihr, sie nie dafür herzugeben.
Es gibt Dinge die sollten privat bleiben, vor allem so mächtige Kultgegenstände.
Und so steht sie nun in meiner Goddess Höhle und freut sich mit mir auf ihren nächsten Einsatz in den nahe liegenden Wäldern.