Sonnenwend- Initiation

Manchmal wird mir in dieser Welt angst und bange, Dir auch?
Manchmal da will ich einfach nur noch raus und Zuflucht suchen. Du auch?
Kennst Du diese ungestillte Sehnsucht? Ja?!
Wenn die Göttin mich ruft, dann nehme ich mir eine "Auszeit" und suche meinen Kraftort auf... Meist ruft sie in der Hitze des Sommers. Immer mal wieder sehne ich mich dann nach einem Ort, wo man noch Atmen kann und der Atem nicht an der nächsten Hauswand erstickt oder von den vorbeifahrenden Autos aufgesogen und verunreinigt wird. In der Sommerhitze wird es in der Stadt eng, wenn sich Haus an Haus drängt.Ich sehne mich dann nach einem Ort, der einfach nur Still ist, wo ich Kontakt zu den Elementen habe und zu mir.An so einem Tag - Ozon sei verwünscht- reiße ich aus. Zu Fuß mache ich mich auf, bewaffnet mit Stab, Rucksack (Räucherware, Obst , Brot und Getränk inbegriffen) und andere Rituelle Dinge...
Es ist seither jeden Sommer so, seit Jahren schon.
Aber lass mir Dir erzählen, wie das erste Mal war, als die Göttin mich in die Wälder rief:

Ein Waldspaziergang der zur Initiation wurde....
Der Weg:
Alles kommt mir zu laut,
zu grell,
zu stinkig,
zu gierig,
zu neidisch vor,
auf dem Weg zu mir selbst.
Ich gehe und gehe,
bleibe bei mir,
in mir,
achte nur auf den Weg vor mir...
Überquere laute,
grelle und stinkige Strassen.
laufe und laufe
bis der Wald vor mir erscheint,
einladend,
wie ein Tor zu einer anderen Welt....
..am Anfang begegnen mir noch Leute....
Leute mit Hunden,
Leute mit Kindern,
Leute mit Leuten,
aber langsam wird es stiller.
Keine Autogeräusche mehr,
keine Geräusche von Menschen mehr, die Sommerhitze wird erträglicher.
Vogelgesang, ein knistern, ein rascheln und einen kleinen Moment lang wird mir bang...
denn das " alt Erzogene" kommt zum Vorschein:
Wie die Mutter mit hocherhobenen Finger schimpft: "Als Frau gehe niemals allein in den Wald!"
Meine Hand tastet nach meinem Messer...
ich antworte im Geiste:
"Mein Rotes Käppchen habe ich bei mir, Wolf ersticke daran!"
Über meine Gedanken grinse ich dann doch und fühle plötzlich:
Ich bin ja gar nicht allein!
Ich werde geleitet.
Ein Uraltes Wissen ist da.
Es taucht auf und wandelt mich...
Hier werde ich beschützt, denn ich bin eingeladen worden, diesen Weg zu diesem einen Ort zu gehen. Ab heute, jedes Mal, immer aufs Neue und immer wieder neu. Tausend Geister sind da. Und die Baumgeister lachen mich schamlos aus, so wenig Vertrauen zu ihnen zu haben. "Wo Du doch seit Jahrtausenden unsere Stimme hörst" flüstern sie mir zu und lachen wieder.
Nun ist der Bann gebrochen und ich fühle mich sicher und wohl. Mit offenen Augen verfolge ich den Weg zu der Stelle, die ich immer wieder aufsuche und besuche. Das erste Mal heute ganz allein. Der kleine Pfad geht vom eigentlichen Weg ab, aber erst muss ich daran vorbei, denn ich will weiter , zum Quell, der ganz in der Nähe ist, wie überall an heiligen Orten..

Die Quelle:
Ein Quell,
entsprungen aus dem Bauch der Mutter Erde.
Geboren um Leben zu geben und zu erneuern
Aus dem Schosse der Großen Mutter ,
um nach einer langen Reise
wieder in sie zurück zu kehren.
Einmal um den Berg herum und ich bin an der kleinen Quelle aus der ein Bach entspringt.
Stille, ...
am frühen morgen, kaum ein Laut ..
ein paar Autos kann man doch hören.
Der Quelltopf ist voll von Blättern und alles ist niedergetrampelt .Man sollte meinen, hier wohne keine Nymphe mehr, aber dennoch spüre ich ihre Präsens.

Leise rufe ich sie an:
Nymphe der Quelle
Wächterin der Uralten Wasser
Hüterin des Uralten Wissens
Bewahrerin des Seins
Komm und lass Dich ehren!
Ich stelle mich nah an die Quelle, übergebe ihr Rosenblätter und einen wunderschönen Stein. Ich zünde ein Räucherstäbchen an und verweile ein wenig, lausche der Stille. Die Nymphe zeigte sich nicht, man hat sie vielleicht zu sehr verletzt, aber doch, dort unten, höre ich ein Wispern, als ich den Stein ins Wasser warf, höre ich sie lachen, als die Rosenblätter auf der Wasseroberfläche anfangen zu tanzen. Der wundervoll Duftende Rauch der Räucherstäbchen steigt auf und sie spielt mit ihm, kein Windhauch, aber der Rauch kringelt sich lustig über der Quelle. Und leise, kaum merklich flüstert sie mir "hab Dank" in mein Ohr. Lächelnd nicke ich und gehe langsam den Weg zurück.
Zurück , den Berg herum zu dem heiligen Ort, von dem man in uralten Zeiten gut auf die Quelle heruntersehen konnte, als noch keine Bäume hier standen, denn der Wald um mich herum ist nicht so alt. Hier oben treffen Uralte Ströme zusammen, herrschen Uralte Geister. Zu viele Radfahrer, zu viele Menschen und zu viele Reiter, haben diesen Ort sehr geschadet, aber ich spüre sie dennoch, sehe sie dennoch. Den Zauber der Uralten Zeiten, der diesen Ort zu etwas besonderem macht.
Nicht umsonst wurde hier, nahe der Quelle, einige Menschen, es waren sicherlich wichtige, begraben. Vor tausenden von Jahren, als wir noch eins waren mit der Großen Mutter!
Das Ziel:
Diese Stelle, die auch ein Grab ist, erkenne ich schon vom weitem und halte kurz ein. Bevor ich nun den Weg verlasse, stelle ich mich vor den Trampelpfad, der weiter führt und bitte um Einlass in die andere Welt:
Ich bitte um Einlass in die andere Welt, die Welt meiner Ahninnen die Welt der Uralten Erde die Welt der Uralten Wasser die Welt der Uralten Lüfte die Welt der Uralten Feuer. Darf ich eintreten?! Wartend stehe ich still einen Augenblicklang ...
Ich trete auf den kleinen Pfad und spüre deutlich das Tor das ich betrete und übertrete. - Es wird für mich merklich kalt- Ich spüre dass da jemand ist, der mich willkommen heißt. - Es wird für mich wieder wärmer , aber ein kleiner , immer bleibender Nebel steigt auf- Fußhoch und bläulich-weiß scheint er mir.
Ich gehe den Weg weiter, bis zu dem Punkt der mir wichtig ist. Mein Rucksack findet Platz hinter einem Baum. Und ich betrete das Grab und lege Blumen ab. Dann zünde ich Räucherstäbchen an .Einen Moment lang halte ich inne und höre in mich hinein, versuche mich zu zentrieren.
Bin ich willkommen?
Werde ich akzeptiert?
Darf ich bleiben?
Meinem Gefühl gebe ich nun nach und wende mich an die Himmelsrichtungen, um an diesem Orte nicht unliebsam gestört zu werden:
Wächter des Ostens , der aufgehenden Sonne, ich Grüße Euch! Kräfte der Lüfte und der Winde, seit mir willkommen!
Beschützt mich in diesem Kreis, nichts sehen, nichts hören, sie sollen vergessen Wächter des Südens, der vollen Kraft der Sonne, ich grüße Euch!
Kräfte des Feuers und der Intuition seit mir willkommen!
Beschützt mich in diesem Kreis, nichts sehen nichts hören sie sollen vergessen Wächter des Westens, der untergehenden Sonne, seit gegrüßt Kräfte des Wassers und des Abends, seit mit willkommen! Beschützt mich in diesem Kreis nichts sehen nichts hören sie sollen vergessen Wächter des Nordens, der Nacht, ich grüße Euch Kräfte der Erde und der dunklen Innenschau, seit mir willkommen!
Beschützt mich in diesem Kreis nichts sehen nichts hören sie sollen vergessen.
Große Mutter!
Herrin der Magie, Mädchen, Mutter, Weise Dich rufe ich Dich grüße ich
Sei mir willkommen in meinem Kreis!
Der Kreis ist geschlossen, niemand kann mehr herein, es soll es sein!
Nun entferne ich mich ein wenig von der Stelle, da das Grab nicht noch mehr platt getrampelt werden soll. Ich setzte mich an einem nahe gelegenen Baum zu meinem Rucksack. Ich suche Kontakt zum Baum und zu der Erde unter meinen Füßen. Entspanne mich und nehme einfach nur die ersten Eindrücke auf. Diesmal aber, das erste Mal wirklich allein an diesem Ort, kreist ein Bussard tief über mir. Er ist der Wächter dieses Ortes und er begrüßt mich. Seither weiß ich, erst wenn er über mir kreist und seinen Schrei ertönen lässt erst dann fühle ich mich wirklich willkommen geheißen.
Ich begrüße ihn auch, entspanne mich und lasse dann alles Weitere geschehen....
Stunden vergehen in einer anderen Zeitordnung...
Ich sehen in weiter Ferne, Menschen an mir vorbei ziehen, aber sie bemerken mich nicht schauen nicht mal in meine Richtung. Und selbst ihre Hunde beachten mich nicht, dabei ist der Weg gar nicht so weit weg. Real gesehen nicht, aber für mich scheint er im Nebel zu verschwinden. Der Kreis ist geschlossen und wirksam.Wie jemand der eine Beobachtungsposition inne hat, so könnte man es beschreiben, aber dennoch kommt es dem nur nahe...
Blumenkelche werde zu Elfenschlössern, Baumstümpfe zu Zwergen mit Zipfelmützen, und in weiter Ferne taucht eine große Gestalt auf, eingebettet im großen Ganzen des Waldes. Erst ernst und drohend, kurz nur..
dann alles umarmend, liebkosend und schützend schwarz ist Sie, schwarz und groß. Dort hinten steht Sie, dort an der Wegkreuzung, die ich eben noch verlassen habe um an diesen heiligen Ort zu kommen. Ich blinzle, denn die Sonne blendet mich und Sie ist verschwunden. Nun bemerke ich, das die Sonne schon tiefer gewandert ist, nicht mehr gerade über mir scheint.Ich verweile noch und esse ein wenig. Meinen Dank an diesen Ort und seine Lebewesen, der aus Äpfeln, Brot und Möhren besteht, lege ich dort hin, wo ich gesessen habe.
Der Abschied: Da ich keine Uhr dabei habe (was beabsichtigt ist), schätze ich die Uhrzeit auf drei bis vier Uhr am Nachmittag. Zeit zum Aufbruch! Zeit diesen Ort zu verlassen . Zurückzukehren in die zu hektische, zu stinkige , zu neidische Welt. Aber jetzt habe ich wieder Energie und mir geht es einfach nur Gut!
Ich stelle mich nun nochmals auf das Grab und verabschiede mich von den Himmelsrichtungen: Kraft des Ostens, der aufgehenden Sonne, hab Dank für deine Wacht.
Gehe in Frieden und Macht. Auf Deine Töchter und Söhne gebe immer Acht!
Kraft des Südens, der stärksten Sonne, hab Dank für deine Wacht, gehe in Frieden und Macht. Auf Deine Töchter und Söhne gebe immer Acht!
Kraft des Westens, der untergehenden Sonne, hab Dank für Deine Wacht, gehe in Frieden und Macht. Auf Deine Töchter und Söhne gebe Acht!
Kraft des Nordens, der Nacht, hab Dank für Deine Wacht!
Dies wird bald Deine Stunde, geöffnet sei nun wieder die Runde!
Gestärkt und glücklich verlasse ich nun diesen Ort. Ich werde wiederkommen. -bestimmt!
Zu den Jahreskreisfesten- Immer!
Zu den Vollmonden. Wenn es mir möglich ist!
Hab Dank Große Mutter!
Hab Dank , Herrscher des Waldes!